Cross Cultural Competency auf dem Weg zur transkulturellen Kompetenz

Lorenzo Tural at re:publica 2014

Wir gehen einen Schritt weiter und sprechen unter Berücksichtigung der fortlaufenden Zuwanderung sowie der bereits fortgeschrittenen Ausdifferenzierung der Minderheitengesellschaften von der transkulturellen Kompetenz. 

Cross Cultural Competency is ability to operate in different cultural settings.

tural feat. Prof. Dr. Wolfgang Welsch

Internet, Digitalisierung, Globalisierung, weltweite Zuwanderung, Flüchtlingsströme führ(t)en dazu, dass die (nationalen) Kulturen bereits heute nicht mehr die Form der Homogenität und Separiertheit wie in den vergangenen Jahrhunderten haben.

Die neuartigen Verflechtungen sind eine Folge von Migrationsprozessen sowie von weltweiten materiellen und immateriellen Kommunikationssystemen (google; Facebook; internationale Mobilität, Netz) und von ökonomischen Interdependenzen. 

In der kommenden Smarten Welt werden die Kulturen hochgradig miteinander verflochten sein und immer mehr einander durchdringen.

Die Lebensformen werden nicht mehr an den Grenzen der Nationalkulturen enden, sondern diese überschreiten:

"Deutschland ist der größte Döner-Exporteur der Welt!" 

Seit Mitte der 90er plädiert Prof. Dr. Wolfgang Welsch für ein anderes Bild vom Verhältnis der Kulturen.

Anstelle der Isolierung und des Konflikts, stellt er die Verflechtung, Durchmischung und Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt. Sein Konzept befördert nicht Separierung, sondern Verstehen und Interaktion in Richtung transkulturelle Kompetenz.
Kulturen, die nach dem traditionellen Kultur-Verständnis in den früheren Jahrhunderten wie Inseln, Kugeln oder Silos verfaßt sind, können sich der Logik ihres Begriffs entsprechend nur

- voneinander absetzen,

- sich gegenseitig verkennen,

- ignorieren,

- diffamieren oder

- bekämpfen,

- auch sich über Schnittstellen verständigen und austauschen.

Sie bleiben jedoch in ihren Inseln, Silos, Kugeln. Und sehr oft in ihren Parallelgesellschaften.

»Es gibt ein neues deutsches Wir, die Einheit der Verschiedenen.«

Das von Joachim Gauck formulierte Leitbild möge das Bild unten visualisieren.   

Das Konzept der Interkulturalität versucht diese traditionelle Kulturvorstellung nicht zu überwinden, sondern will sie bloß ergänzen, um ihre problematischen Folgen aufzufangen. Es reagiert auf den Umstand, daß die Kugelverfassung der Kulturen notwendig zu interkulturellen Konflikten führt. Es versucht, Brücken zwischen den Kulturen aufzubauen.

Die traditierten Change Management Ansätze haben dieses Ziel: Zwischen den Funktions-Silos im Unternehmen die Kommunikationsschnittstellen einzurichten, damit die Mitarbeiter siloübergreifend miteinander korrespondieren können.  

Das hatte Herder konsequent zum Ausdruck gebracht, als er sagte, daß solche Kugeln einander nur "stoßen" könnten und daß ihr Vorurteil gegenüber anderen Kulturen eine Bedingung ihres Glückes sei. Das Konzept der Interkulturalität sucht nun nach Wegen, wie die Kulturen sich gleichwohl miteinander vertragen, wie sie miteinander kommunizieren, einander verstehen oder anerkennen können. Hier hat die Suche nach interkulturellen Konstanten ein unerschöpfliches (weil ergebnisloses) Betätigungsfeld.

Die Misere des Konzepts der Interkulturalität rührt daher, daß es die Prämisse des traditionellen Kulturbegriffs unverändert mit sich fortschleppt. Es geht noch immer von einer insel- bzw. kugelartigen Verfassung der Kulturen aus. Eben deswegen vermag es zu keiner Problemlösung zu gelangen, denn die interkulturellen Probleme entspringen der Insel- bzw. Kugelthese der Kulturen. Das klassische Kulturkonzept schafft durch seinen Primärzug, den separatistischen Charakter der Kulturen, das Sekundärproblem der strukturellen Kommunikationsunfähigkeit und schwierigen Koexistenz dieser Kulturen. Daher sind die Empfehlungen zur Interkulturalität zwar gut gemeint, aber ergebnislos. Das Konzept versäumt es, die Wurzel des Problems anzugehen. Es ist nicht radikal genug, sondern bloß kosmetisch.

Das Konzept der Multikulturalität greift die Probleme des Zusammenlebens verschiedener Kulturen innerhalb einer Gesellschaft auf. Es geht von der Existenz klar unterschiedener, in sich homogener Kulturen aus, nur jetzt innerhalb ein und derselben staatlichen Gemeinschaft. Das Multikulturalitäts-Konzept sucht dann nach Chancen der Toleranz, Verständigung, Akzeptanz und Konfliktvermeidung oder Konflikttherapie. Das ist ebenso löblich wie die Bemühungen um Interkulturalität, aber ebenso ineffizient, denn vom alten Kulturverständnis aus läßt sich allenfalls ein Stillhalten auf Zeit erreichen, nicht aber eine wirkliche Verständigung zwischen den kulturell heterogenen Gruppen oder eine Überschreitung der separierenden Schranken konzipieren.

Das Multikulturalitätskonzept hat jedoch die Hinnahme solcher Schranken geradezu zur Basis. Daher kann es auch zur Rechtfertigung und verstärkten Berufung auf solche Schranken dienen. Das Konzept ist zwar gegenüber konservativen Forderungen nach gesellschaftlicher Homogenität progressiv, in seinem Kulturverständnis aber ist es traditionell und droht, regressiven Tendenzen Vorschub zu leisten. Sie führen unter Berufung auf kulturelle Identität zu Gettoisierung und Kulturfundamentalismus und sind vordem Übergang in den politischen Fundamentalismus nicht gefeit.

Die Kritik am traditionellen Konzept der Einzelkulturen sowie an den neueren Konzepten der Interkulturalität und der Multikulturalität läßt sich folgendermaßen resümieren: Wenn die Kulturen tatsächlich noch immer, wie diese Konzepte unterstellen, inselartig, siloähnlich und kugelhaft verfaßt wären, dann könnte man das Problem ihrer Koexistenz und Kooperation weder loswerden noch lösen. Die Beschreibung der Kulturen als Kugeln bzw. Inseln ist heute deskriptiv falsch und normativ irreführend. 

In Deutschland liegt im Moment ein Riesenpotenzial brach und wartet darauf, erschlossen zu werden, um internationale Wettbewerbserfolge zu erzielen. Auf der nationalen Ebene müssen wir bis dahin noch einiges tun.
Erst wenn wir weder auf der Bundes- noch auf der Landesebene kein Integrationsministerium mehr benötigen, dann ist Deutschland transkultureller Weltmeister.

Auf der unternehmerischen Ebene findet der Übergang bereits statt. Er könnte zügiger laufen, wenn die Diversity Experten ihre Multikulti-Romantik ablegen und sich selbst zu transkulturellen Vorbildern entwickeln würden.

Lukas Podolski, der Brasilianer des Jahres 2014, liefert leidenschaftlich gerne Praxisbeispiele für transkulturelle Kompetenz.  

  Transkulturelle Kompetenz für Industrie 4.0

   Integration

   Multikulti

   Interkulturelle Kompetenz

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